Hochsensibilität Soziale Arbeit und psychische Erkrankungen

Artikel Hochsensibilität Soziale Arbeit und psychische Erkrankungen

„Ist es Zufall oder „normal„, dass so viele Menschen aus dem Berufen der Sozialen Arbeit irgendwann psychische Erkrankungen entwickeln?

Viele Krankenschwestern, Krankenpfleger, Arzthelfer/in, Altenpfleger/innen, Ärzte, Erzieher/innen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter/innen und Heilerziehungspfleger/innen etc. werden im Laufe ihres Berufslebens irgendwann selbst Patient/in oder Klient/in von Krankenhäusern im Bereich Psychosomatik, Reha-Kliniken, Psychotherapien oder Burnout-Kliniken.

Klar- jeder weiß, dass diese Sozialarbeitenden regelrecht ausgesogen werden und dafür im Verhältnis zu wenig verdienen. Aber es gibt ja auch andere Jobs, bei denen die Arbeitnehmer leiden. In der Gastronomie ist man auch Mutti für alle, muss sich beleidigen lassen, Kranken helfen, viel und schwer schleppen, lange Schichten, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. Hinzu kommt, dass das Gehalt meist noch schlechter ist und man in der Gastronomie weniger Urlaubstage hat und keine zusätzlichen Sozialleistungen, die im Sozialwesen eher Standard sind.
Aber Gastronomen und Hoteliers sind nicht so stark vertreten in den og Hilfseinrichtungen.

Sind das von Natur aus eher „harte Hunde“ und Menschen, die einer sozialen Tätigkeit nachgehen eher die „Sensiblen Seelchen“?… „ Was denkt ihr zu dem Thema?

Meinungen bei Social Media

Kommentar 1:

Menschen in sozialen Berufen nehmen stärker an den Geschichten der anvertrauten Menschen teil, mit denen sie zu tun haben als z.B. Beschäftigte in der Gastronomie. Was helfen kann? Mehr Geld, mehr Freizeit und regelmäßige Supervision.

Kommentar 2:

Die Anteilnahme gegenüber den Klienten der Sozialarbeitenden ist sicherlich anders, als in der Gastronomie. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, um den vielen Erkrankungen der Sozialarbeitenden vorzubeugen. Die jüngere Generation macht glücklicherweise nicht mehr alles mit und sucht sich eine andere Stelle, wenn sie nicht vernünftig behandelt wird. Sie arbeiten dann da, wo die Arbeitgeber sich auf zeitgemäße Arbeitsbedingungen eingestellt haben. Einige Arbeitgeber ermöglichen eine Partizipation und Augenhöhe mit Ihren Mitarbeitern

Kommentar 3:

Ich arbeite aktuell nur noch in Teilzeit im Bereich Soziale Arbeit, da ich krank geworden bin und unter den gegebenen Arbeitsbedingungen nicht mehr möglich ist. Bei meinem Team ist es total absurd, wenn ein Kollege oder eine Kollegin mitteilen würde, dass sie psychische Probleme hätte. Wir in der Rolle als Helfende wollen Klienten 😉 unterstützen und in Krisen helfen, sind aber selbst häufig nicht bereit, sich die Eigenanteile anzusehen. Ich glaube, dass es sehr wohl „echte Teams“ gibt, wo vermeintliche Schwächen zugelassen werden können. Wechseln kann ich nicht auf absehbare Zeit, weil ich nicht in eine andere „befristete“ Stelle wechseln kann. Befristete Stellen sind leider in diesem Bereich die Regel. Ich habe ca. 15 Jahre ausschließlich Projektarbeit mit Befristung geleistet und diese „Behandlung“ hat zu meiner Erkrankung beigetragen. Die Gesellschaft sieht diese Berufe nur in Krisenzeiten als systemrelevant und ansonsten ist die Anerkennung relativ gering. Ich glaube, dass die Mitarbeitenden das Gefühl für Selbstwirksamkeit bei ihrer Sozialen Arbeit benötigen. Die sogenannte Partizipation und Möglichkeit seine Arbeit mitzubestimmen, hält gesund. Wenn Fehler und ein Ausprobieren möglich ist und sich ein Team erst nach einem gewissen Zeitraum bilden kann, dann können Kollegen und Kolleginnen sich gegenseitig unterstützen. Es muss möglich sein, Rücksicht aufeinander zu nehmen bei privaten Krisen (Krankheiten, Tod, Verlust von Angehörigen … ). Dann muss es möglich sein,  zwischendurch kürzer zu treten. Das Netzwerken bei Social Media und das Bloggen kann ein wichtiger Ausgleich sein. Es ist eine Möglichkeit, innovative Ideen zu veröffentlichen und kreativ zu sein, was im Rahmen der angestellten Beschäftigung nicht erlaubt ist. Bei der Wohlfahrt wird in der Regel über sogenannte Stellen der Presse- Öffentlichkeits- oder Social Media Ansprechpartner über Soziale Arbeit berichtet. Dabei sind Sozialarbeitende eigentlich Multiplikatoren…

Was ist eine psychische Erkrankung?

„Ein psychisch Kranker ist ein Mensch, der bei der Lösung einer altersgemäßen Lebensaufgabe in eine Krise und Sackgasse geraten ist, weil seine Verletzbarkeit und damit sein Schutzbedürfnis und sein Bedürfnis Nicht erklärbares zu erklären, für ihn zu groß geworden sind.“ (M. Bleuler 1987 in Dörner 2002 S.17)

Was bedeutet es, hochsensibel zu sein?

Überraschend stark Hochsensible Führungskräfte“ Zweischneidige Disposition Hochsensibilität im Job Darstellung im Weiterbildungsmazagin der managerseminare Heft 238 Januar 2018, Grafik von Jutta Böttcher und Christian Schneider.

  • Daumen runter:

Hochsensible … überfordern regelmäßig sich selbst und ihre Mitarbeiter, … nehmen sich zu viel zu Herzen, neigen bei empfundener Sinnlosigkeit zu einer hohen Unzufriedenheit mit sich und dem Unternehmen …

  • Damen hoch:

Hochsensible Personen … besitzenhohe analytische Fähigkeiten, wodurch sie gut Fehler in Systemen und Prozessen erkennen, … können eine hohe Kreativität und Innovationskraft entfalten, … sind geschätzte Teammitglieder und Ansprechpartner für unterschiedliche Belange … (Artikel in managerseminare hier klicken)

Hochsensibilität Soziale Arbeit und psychische Erkrankungen

Auch wenn die Hochsensibilität an sich keine Krankheit ist, kann sie aber bei einer Dauerstressbelastung durchaus eine Erkrankung hervorrufen. Gegenüber dem hohen Tempo und dem Konkurrenzdruck der modernen Lebens- und Arbeitswelt haben hochsensible Menschen häufig Mühe, die vielfältigen Stimuli zu verarbeiten. Denn: Hochsensible Menschen haben ein hocheregbares autonomes Nervensystem und durchlässigere Reizfilter. Das Nervensystem des hochsensiblen Menschen kann die zuviel aufgenommenen Informationen nicht verarbeiten. Die Folgen? Sie können sehr vielfältig sein und von psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen, Panikattacken oder Depressionen, bis hin zu physischen Stresssymptomen  reichen (Kopf- oder Rückenschmerzen, Verspannungen, insbesondere im Bereich von Nacken, Schultern und Rücken, Herzrasen, Diabeteserkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, schlechte Wundheilung, geschwächtes Immunsystem usw. Auch die Sinnesorgane reagieren auf Stress …)

Wenn selbst immer mehr „normale“ Sozialarbeitende mit den Anforderungen der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit nicht mehr mithalten können, wie soll das dann bei Hochsensibilität funktionieren? Die Fähigkeiten „Belastbarkeit“ oder „Multitasking“ werden besonders positiv bewertet. Sensibilität wird gegenüber den anvertrauten Klienten als Stärke angesehen, wenn Kollegen oder Kolleginnen unter einem schlechten Betriebsklima besonders leiden, sich viel zurück ziehen, um zu regenerieren, wird dies schnell als Schwäche angesehen.  Für hochsensible Menschen ist oftmals kein Raum.

Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

Prekäre Arbeitsverhältnisse gehören längst zum Alltag der Sozialen Arbeit

Soziale Arbeit ist heute oft nicht mehr als ein „Tropfen auf den heißen Stein“

Menschen werden entwürdigt, ausgegrenzt und entwertet – und die Soziale Arbeit muss dabei mitmachen?

Soziale Arbeit macht dennoch Sinn

„Ob Sozialarbeit – eine lohnende Zukunftsprofession ist“? Das ist für mich manchmal eine Frage, die ich mir stelle. Eine gute Antwort, die länger ist.
Poetry Slam Miriam Weweler Stud. KatHO Münster (Youtube Video hier klicken)

Im Berufsfeld der Sozialen Arbeit gesund bleiben:

Selbstachtung entsteht durch Selbstsorge. Selbstwirksamkeit in Bezug zu seiner Arbeit zu erfahren, ist für alle Sozialarbeitenden bedeutsam. Diese Prinzip ist sowohl für finanziell schwache Menschen (unsere Klienten) und auch für die Soziale Arbeit immens wichtig. Wir kämpfen gegen Armut und Ausgrenzung und stehen an der Seite von Hilfebedürftigen. Die SelbstReflexion und Selbstregulation (Selbstführung) ist die Grundlage für gute Arbeit

Das Schlüsselwort dazu heißt „Selbstachtung
Die Selbstachtung beschreibt unser Gefühl für unsere eigene menschliche Würde. Es ist eine Mischung aus „Selbstwertgefühl“, „Selbstbewusstsein“ und wie das Wort bereits in sich trägt die Achtung vor sich selbst

Wie kann mich Selbstachtung vor Respektlosigkeit schützen?

Das Prinzip dazu ist ganz einfach – Wenn wir eine gesunde Einstellung zu uns selbst haben und somit ein gesundes Selbstbewusstsein, dann wirkt das wie ein Schutzschild vor respektlosem Benehmen von außen. Denn mit einem gesunden Selbstwertgefühl setzen wir für uns klare Grenzen, die ein anderer Mensch nicht überschreiten darf. Wo diese Grenze liegt, das bestimmen wir selbst

Für die Fragen der Gesunderhalten, drängt sich der Begriff Resilienz auf. Aber was genau bedeutet er?  Die Anerkennung unserer Vulnerabilität ist die Voraussetzung für die Resilienz der Gesellschaft!

Perspektiven zur Selbstfürsorge von Fachkräften

Buchtipp Burnoutprävention im Berufsfeld Soziale Arbeit

Burnout von Fachkräften ist in Zeiten steigender Fallzahlen, paradoxer Arbeitsaufträge und verschärfter gesellschaftlicher Ausgrenzungsprozesse wieder zu einem wichtigen Thema in der Sozialen Arbeit geworden. Poulsen befragte 30 Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern zu ihren Stärken und Fähigkeiten, im Berufsalltag den täglichen Herausforderungen zu begegnen und dabei fit und gesund zu bleiben. Der Band von Irmhild Poulsen stellt keine grundlegende Einführung ins Burnout dar (hierzu verweist die Autorin auf die Fülle der vorliegenden Literatur), sondern beschäftigt sich vor allem mit Burnout-Prävention auf der Mikro- und Meso-Ebene Sozialer Arbeit. Burnoutgefährdung durch die gesellschaftliche Makroebene (Arbeitsgesellschaft und Arbeitslosigkeit, Kapitalzentriertheit und zunehmende Verelendung) taucht im Fragebogen nicht auf.

In der Aufarbeitung gefährdender Momente für die Sozialarbeitenden zitiert die Arbeit Irmhild Poulsens (2011) Schutzfaktoren zur Burnout-Prävention in der Sozialen Arbeit. Als Grundlage dient das Konzept der Resilienz (vgl. Poulsen 2009).

Sie wird in der vorliegenden Arbeit als ein Gegengewicht zu prekären und schädlichen Verhältnissen verstanden.

Die von Poulsen genannten Schutzfaktoren

  • Wahrnehmung von Unterstützung im Team. Sich Hilfe und Unterstützung holen, wenn es zu viel wird
  • Gelingendes Abschalten und genug Zeit haben, um „nichts“ zu tun. Ein neues Gefühl für Zeit entwickeln, den bisherigen Umgang mit Zeit überdenken, entschleunigen lernen, wo es möglich ist und Sinn macht, Achtsamkeit üben
  • Stärken und Fähigkeiten bei sich selbst kennen und schätzen lernen. „Ich kann die Kirche im Dorf lassen“
  • Hobbys, in die ich tief eintauche und die Welt um mich vergessen
  • Unterstützende Chefs, die mir den Rücken frei halten
  • Mehr Wertschätzung zeigen, Energietankstellen beim der Arbeit einrichten
  • Vorgesetzte, die ihr Amt ausfüllen, so dass engagierte Mitarbeiter nicht ins Leere laufen
  • Engagement ist für andere gut, Selbstfürsorge ist besser!

In dem eigenen Burnout-Institut von Poulsen steht das Ziel:

B – Belastungen mindern

groß und deutlich vor den weiteren Zielen:

U – Unruhe abstreifen

R – Ruhe und Entspannung finden

N – Nervosität abbauen

O – Oasen schaffen

U – Umdenken lernen

T – Turbulenzen bewältigen

(Quelle der Publikationen burnout institut Link hier klicken)

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

  1. Hochsensible  besitzen häufig andere Bedürfnisse gegenüber den Arbeitsbedingungen, um sich wohl zu fühlen und gesund zu bleiben. Also keine Großraumbüros!
  2. Sowohl Hochsensible, als auch  Nicht-Hochsensible benötigen den Aufbau einer Toleranzkultur für Fehler,
  3. Eine Vernetzung, die abteilungsübergreifendes arbeiten ermöglicht,
  4. Rückzugsmöglichkeiten müssen geschaffen werden,
  5. Die Förderung von individuellen Talenten von Mitarbeitenden ist wichtig,
  6. Die Schaffung von Experimentierräumen mit modernen Lernräumen zum Beispiel mit Webinaren
  7. Die Ermöglichung von Barcamps auf Augenhöhe mit einer Mischung von Fachkräften unterschiedlicher Ausrichtung, Ehrenamtlichen, Führungskräften und engagierten (privaten) Interessierten mit (Lebens-) Erfahrungen von Sichtweisen von sogenannten Feldern der Sozialen Arbeit.
  8. Personal sollte eingestellt werden, wenn nötig. Dadurch gibt es mehr Zeit für die pädagogische Tätigkeit.
  9. Weniger Bürokratie beziehungsweise Verwaltungsfachangestellte können eingesetzt werden für bestimmte Aufgaben.
  10. Ausreichend Supervision und Fortbildungen, die Enttabuisierung der Belastungen, mehr Lob, Anerkennung, Wertschätzung…

Das Wissen um Extrovertierte und Introvertierte bei Workshops und Teamsitzungen incl. der Teilhabe an den jeweiligen Prozessen, Strategien und Inhalten…  Die gesellschaftlich-institutionell bedingten Belastungsstrukturen können jedoch nur von der Sozialpolitik verändert werden…

Fragen über Fragen

Was können Arbeitgeber tun, um die Mitarbeiter in den sozialen Berufen fit und gesund zu halten?

Was können die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für ihre Gesundheitsförderung tun?

Was ist zu tun, wenn die Belastungen der Sozialen Arbeit zu groß sind?

Die Förderung der Talente von Hochsensiblen mindert den Fachkräftemangel im Sozialen Bereich erheblich.

Die Anpassung der Arbeitsbedingungen sind mE allerdings die Voraussetzung dafür. Leider sind die strukturellen Voraussetzungen der Sozialwirtschaft nicht die besten. Projekt-Befristungen, Projekt Beantragungsverfahren und Auswahl im Losverfahren, Bezahlung ausschließlich der Personalkosten und die Kosten der Räume usw. obliegt der Wohlfahrt…

Merke

Die Anerkennung unserer Vulnerabilität ist die Voraussetzung für die Resilienz der Gesellschaft! Wenn wir wissen, wie verletzlich wir (und die Gesellschaft) sind, dann haben wir auch ein Gefühl für uns. Meines Erachtens ist es in dieser Hinsicht eine Stärke, sich mit dem Thema Hochsensibilität auseinander zu setzen.

Anregungen und Beiträge

  • Artikel: Hochsensibilität im Arbeitsleben – Stärken von Hochsensiblen (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Hochsensibilität Selbstachtung ist der beste Schutz (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Gruppe Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Hochsensibilität und Stille (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Hochsensibilität hat Vorteile und Nachteile (Beitrag hier klicken)

Empathie und Hochsensibilitaet

Empathie und Hochsensibilität

Empathie und Hochsensibilität ist ein Geschwisterpaar.

Hochsensible Menschen fühlen häufig die „einfachsten“ Dinge sehr viel intensiver. Hochsensible Personen (HSP) verfügen von Natur aus über ein hohes Maß an Empathie.

Ein Nachteil kann sein

Hochsensible Menschen haben unter anderem ein Talent dafür, sich in Gefühle rein zu steigern: Angst Zustände, Nervenüberreizung, ein einfacher Streit, eine harte Kritik, Ignoranz, Ungerechtigkeit, ein Video über Tierquälerei, News über den Krieg und die Klimakrise, ein Gedanke an Deine Vergangenheit, Angst, alles und jeden zu verlieren. Du hinterfragst alles und jeden und verzweifelst manchmal.

Mit Hilfe einer ausgeprägten Empathie können Gefühle und Erfahrungen gut bei anderen Menschen nachempfunden werden, aber es kann schwer sein, sich wieder davon zulösen.

Vorteile und Stärken der Hochsensibilität im Umgang mit Menschen

Wer empathisch ist und sich gut in andere Menschen hineinversetzen kann, hat es in der Arbeitswelt teilweise leichter als jemand, dem diese sozialen Skills fehlen.

Empathie tritt als Verhaltensmerkmal in jeder hilfreichen Beziehung (Helfende Beziehung) auf. Es handelt sich dabei um ein Einfühlen , ein Sichhineinversetzen in die Gefühls- und Gedankenwelt einer hilfesuchenden Person und um den Versuch, deren Erlebnis- und Verhaltensweisen zu verstehen. (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S. 276, 3. Auflage 1993, Eigenverlag)

Fühlt sich die hilfesuchende Person verstanden, so führt dies zumeist zu einer wachsenden vertrauensvollen Beziehung. Dieses wiederum ermöglicht ein weiteres Öffnen, ein Erforschen, Suchen und spätere konstruktive psychische Veränderungen

Die Entwicklung sozialer Skills ist für weniger Sensible, schwieriger als gedacht. ​

Empathischer zu werden, ist gar nicht so leicht, denn laut einer Studie wirken beim Phänomen „Empathie“ viele kleine Subsysteme im Gehirn mit.

Empathie sich einfach so anzueignen, ist jedoch schwerer als bisher angenommen. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zusammen mit weiteren Wissenschaftlern, u.a. von der Oxford University, in einer Metastudie herausgefunden… … So arbeitet das Empathie-Netzwerk, das signifikante Situationen erkennt, indem es z.B. Emotionen wie Angst diagnostiziert, u.a. sehr eng mit Systemen im Gehirn zusammen, die für die Gesichts- und Spracherkennung zuständig sind. Wird hingegen das Perspektivwechsel-Netzwerk angeregt, aktiviert das Gehirn u.a. Systeme, die eigentlich für die Erinnerung vergangener Erlebnisse oder das Ausmalen zukünftiger Begebenheiten eingesetzt werden. Die Forscher fanden auch heraus, dass Menschen, die als besonders sozialkompetent gelten, häufig beide Hauptnetzwerke sowie verschiedene Subnetzwerke nutzen und es schaffen, die richtige Balance zwischen „Mitfühlen“ und „Mitdenken“ herzustellen.

Menschen, die das nicht von sich aus schaffen und die ihre sozialen Skills daher entwickeln möchten, haben – das legen die Studienergebnisse nahe – allerdings einen weiteren Weg vor sich als bisher gedacht… Autorin: Sarah Lambers Quelle: managerSeminare 274, Januar 2021

Starke Empathie als Kompetenz für die Soziale Arbeit

Zitat Alice Salomon: „Der Mensch kann dem Menschen nur wahre Hilfe bringen, wenn er mit ihm fühlt; wenn fremde Not, fremdes Leid für ihn zum eigenen wird. Verstand und Wissen können ihn lehren, die Not zu sehen, zu begreifen. Beseitigen kann er sie nur, wenn er sie auch empfindet, wenn sie ihm im Herzen brennt“ (Salomon, 1917, S. 85).

Alice Salomon wurde vor rund 150 Jahren in Berlin geboren und stellte die Weichen zur Professionalisierung des Berufszweiges (heute) Soziale Arbeit. Salomon war eine Pionierin der Sozialen Arbeit, Vertreterin der Frauenbewegung, Aktivistin für mehr Menschlichkeit und Menschenwürde, die innerhald der Sozialen Arbeit von Bedeutung ist.

Ihre Leitgedanken: Gleichberechtigung, Emanzipation der Frau, Chancengleichheit, Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe

Der Spielfilm „Systemsprenger“ verweist auf die Bedeutung der Empathie

Kinder benötigen soziale Beziehungen/soziale Kontakte zu anderen Menschen sowie soziale Orte. Diese müssen für die kindliche Entwicklung nicht perfekt, aber ausreichend gut sein. Sie müssen dem Kind gleichermaßen Schutz geben und Autonomieentwicklung ermöglichen. Und natürlich basale Grundbedürfnisse befriedigen. Kinder benötigen Zeit für ihre Entwicklung und Zeit, um zu lernen. Gerade, wenn sie traumatische Erfahrungen gemacht haben, benötigen sie sichere Orte, die für sie zur Verfügung stehen, bedingungslose Zuwendung von anderen Menschen und schrittweise Heilung. Kinder müssen die Chance erhalten, ihre eigene Lebens- und Familiengeschichte zu verstehen und sich selbst zu verstehen.“ (Artikel Wie Hilfen besser gelingen können! Gedanken zum Spielfilm „Systemsprenger“ Beitrag hier klicken)

Kinder und auch erwachsene Klienten, die viel Negatives erlebt und erlitten haben, brauchen zudem die Beteilung am sogenannten Hilfeprozess.

Die Wahrnehmungsbegabung der hochsensiblen Menschen

Hochsensible werten, die durch die Sinne gelieferten Informationen sehr viel tiefer aus. Unsere Sinne bezüglich Weiterleitung an das Gehirn, funktioniern anders als bei Normalsensiblen. Wir riechen, sehen, hören, schmecken, empfinden. Der sensorische Input von der Welt und unserem Inneren, wird weniger gefiltert, so dass mehr Informationen unser Gehirn erreichen. Es besteht eine Wahrnehmungsbegabung und eine hohe Verarbeitungsempfindlichkeit.

Hochsensible Menschen sind bei entsprechendenden guten Arbeitsbedingungen besonders geeeignet für das Berufsfeld Soziale Arbeit.

Anregungen und Beiträge

  • Artikel: Hochsensible Menschen in sozialen und beratenden Berufen (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Verantwortung zurückgeben Mehr Selbstvertrauen bekommen (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Hochsensibilitaet (Teil 3) 8 Tipps für Hochsensible (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Hochsensibilität Selbstachtung ist der beste Schutz (Beitrag hier klicken)
  • Artikel: Gruppe Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität (Beitrag hier klicken)

Hochsensibilitaet (Teil 1) Hochsensibel, bloß empfindlich

Hochsensibilität (Teil 1) Hochsensibel, bloß empfindlich Hochsensibilität Beitrag von Julia Russau

Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Reihe über Hochsensibilität. In diesem Beitrag stellt Julia Russau vor, was Hochsensibilität ist und welche besonderen Eigenschaften hochsensible Menschen aufweisen können. Dabei interessiert sie auch der Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und sozialen Berufen. (Februar 11, 2014 )

In Teil 2 beschäftige sich J. Russau sich mit der Erziehung hochsensibler Kinder. Und in Teil 3 gibt sie  8 Tipps, die hochsensiblen Menschen (und ihren Angehörigen) nützlich sein können.

Hochsensibilität – ein Leben zwischen vielen Reizen

In unserer reizüberfluteten Welt ist es nicht immer leicht sensibel oder empfindlich zu sein. Gerade in westlichen Kulturkreisen wird »Sensibilität« oft mit Eigenschaften verknüpft, denen schnell ein negatives Image anhaftet. Wird jemand als »sensibel« beschrieben, denkt man gerne an Empfindlichkeit, Labilität oder Gefühlsduselei – die in Gegensatz zu Stärke, Charakterfestigkeit und Vernunft gesetzt werden. In Fernsehserien ist es seit geraumer Zeit üblich, Helden zu kreieren, die durch ihre überdurchschnittlichen, teilweise auch sensiblen, Gaben auffallen – man denke z.B. an »Monks« Handbewegungen – die aber gleichzeitig immer auch etwas Tragisches, Seltsames und Gescheitertes an sich haben.

Der Begriff »Hochsensibilität«, wie er sich eingebürgert hat und wie Frau Russau ihn auch hier verwendet, ist etwas unglücklich gewählt. Und auch über den englischen Begriff Highly Sensitive Person (HSP) kann man sich streiten.

Genau genommen ist Hochsensibilität eine Form von Intelligenz, sodass sie am ehesten als eine spezifische Ausprägung von Hochbegabung gewertet werden kann. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen mit »klassischer« Hochbegabung gleichzeitig auch hochsensibel sind – genauso verhält es sich umgekehrt. Ein gutes Buch zu diesem Thema hat Andrea Brackmann (2005) geschrieben: »Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?«.

Das Nervensystem Hochsensibler ist anders konstituiert – sie nehmen ihre Umwelt vielfältiger und detailreicher wahr

Hochsensible Menschen weisen ein sehr hohes Maß an Fähigkeiten und Eigenschaften auf, die der sozialen und emotionalen Intelligenz zugeordnet werden. Sie sind auf diesen Gebieten also überdurchschnittlich begabt. Hochsensible verfügen über eine besonders differenzierte Sinneswahrnehmung und eine ausgeprägte Fähigkeit zum Perspektivenwechsel.

Genauso, wie es der begabte Maschinenbauingenieur versteht, aus einer technischen Zeichnung eine leistungsfähige Maschine zu entwickeln, bei der alle Bauteile perfekt zueinander passen, verstehen es Hochsensible besondern gut, die Stimmungen, Empfindungen und Motive ihrer Mitmenschen nachzuvollziehen – selbst wenn diese unausgesprochen sind – sie in Beziehung zueinander zu setzen und sie im sozialen Umgang angemessen zu berücksichtigen. Gleichzeitig haben HSP ein überdurchschnittlich hohes Gespür für ihre eigenen Gefühle und Motive.

Hochsensibilität ist ein weites Feld. Genauso vielfältig wie das Innenleben eines hochsensiblen Menschen ist, genauso vielfältig können auch die Begabungen sein, die hochsensible Persönlichkeiten entwickeln. Festzustellen ist: Das Nervensystem hochsensibler Menschen ist anders konstituiert als das von Nicht-Hochsensiblen, wodurch sie auf emotionaler und sensorischer Ebene besonders empfänglich sind. Hochsensible nehmen zwar nicht mehr Informationen auf als andere Menschen, diese Informationen werden jedoch deutlich weniger gefiltert, sodass viel mehr Details ins Bewusstsein gelangen, wahrgenommen und verarbeitet werden. Gleichzeitig weisen Hochsensible eine höhere Erregbarkeit und Aktivität jener Gehirnregionen auf, die für die Sinnesverarbeitung bedeutsam sind. Es ist davon auszugehen, dass genetische Faktoren bei der Ausprägung von Hochsensibilität eine wichtige Rolle spielen.

Hochsensibilität ist keine Fertigkeit, die man hinzufügen und nach Belieben wieder abstellen kann. Hochsensibilität ist ein körperliches und geistiges Potential, mit dem ein Mensch geboren wird, ebenso wie es dem begabten Mathematiker in die Wiege gelegt wurde, die Welt bevorzugt in Zahlen zu denken. Oder der Sängerin, eine schöne Stimme zu haben. Wie der/die Einzelne seine Begabung umsetzen kann (oder nicht), steht auf einem anderen Blatt.

Nicht jeder oder jede Hochsensible muss mit seinem/ihrem Verhalten und seiner/ihrer Begabung in besonderem Maße hervorstechen. Hochsensibilität kann bedeuten, anderen Menschen im alltäglichen Leben mit einer besonderen Empfindsamkeit und Empathie zu begegnen – ohne etwas sichtbar Außergewöhnliches zu leisten. Hochsensible können gute Zuhörer sein, sie können Menschen sein, denen andere gerne ihr Herz ausschütten, sie können bevorzugte Ratgeber, Mentoren oder einfühlsame Eltern sein.

Darüber hinaus kann sich Hochsensibilität auf viele verschiedene Arten zeigen, z.B.:

  • Einige hochsensible Menschen haben ein besonderes Gefühl für Beziehungen. Sie betreten einen Raum und sind in kurzer Zeit in der Lage die Stimmungen, Beweggründe und Beziehungsmuster der anwesenden Personen zu erfassen, selbst wenn es sich um fremde Personen handelt.
  • Einige Hochsensible haben ein authentisches Gespür für die Natur. Sie sind besonders geschickt im Umgang mit Tieren oder Pflanzen und verspüren eine untrügliche Verbindung zu ihrer natürlichen Umwelt.
  • Einige Hochsensible sind besonders empfindsam für Berührungen. Sie erspüren mit ihren Händen kleinste Verspannungen oder Knoten unter der Haut von Patienten oder sie fühlen energetische Spannungen und Störungsfelder, die in der Luft liegen.
  • Einige Hochsensible haben ein besonders buntes Innenleben. Sie fallen auf, weil sie ein Übermaß an Phantasie und Kreativität besitzen und ihre Umwelt jeden Tag aufs Neue mit ihrem Ideenreichtum überraschen.
  • Einige Hochsensible haben ein hervorragendes Gedächtnis für vergangene Erlebnisse, Stimmungen und Bilder. Sie sind besonders sensibel im Umgang mit historischen Entwicklungen oder persönlichen Biographien.
  • Einige Hochsensible haben eine ausgeprägte musikalische oder künstlerische Ader. Sie verstehen es, mit ihrer Musik die Menschen zu berühren oder Emotionen und Erfahrungen so mit der Kamera einzufangen, dass sie für andere erlebbar werden.
  •  Einige Hochsensible haben eine besondere Geduld mit Menschen in Krisensituationen. Sie sind warmherzige Begleiter und Unterstützer, z.B. während einer schweren Krankheit, oder sie erleichtern es Sterbenden, vom Leben Abschied zu nehmen.

Hochsensibel: Wie finde ich es heraus?

Hochsensible haben einen „sechsten Sinn“ – sie sind besonders einfühlsam im Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur

Im Gegensatz zur »klassischen« Hochbegabung oder Formen von Inselbegabung, bei denen Menschen durch ihre besonderen kognitiven Fähigkeiten auffallen, lässt sich Hochsensibilität schwerer erkennen oder messen. Im Allgemeinen unterscheidet man acht Formen von Intelligenz – standardisierte Intelligenztests erfassen jedoch gerade einmal vier davon, wobei in diesen Tests besonders die logisch-mathematische Intelligenz im Mittelpunkt steht. Um emotionale oder soziale Intelligenz messbar zu machen, bräuchte es deutlich mehr Aufwand und verschiedenster psychologischer Tests und Experimente.

Der Ort, an dem sich Hochsensibilität am deutlichsten zeigt und beweist, ist die Lebenspraxis selbst. Leider ist dies auch der Ort, an dem Hochsensibilität am meisten unerkannt bleibt, vor allem, da Hochsensibilität – neben ihren Vorzügen – auch »Herausforderungen« mit sich bringen kann, die im alltäglichen Zusammenleben zu Konflikten führen können (siehe hierzu weiter unten in diesem Beitrag). Viele Hochsensible leben seit ihrer frühesten Kindheit in dem Glauben, dass mit ihnen »irgendetwas nicht stimmt«, bzw. dass sie sich von anderen Menschen unterscheiden – ohne, dass sie wüssten, warum. Da ihr Verhalten leicht falsch interpretiert werden kann, sehen sich Hochsensible oft damit konfrontiert, als abweichend und »nicht normal« zu gelten. Gerade das Gefühl »normal sein zu wollen«, aber gleichzeitig zu spüren, dass man dieses Ziel nie erreichen wird, kann für empfindsame Menschen zu einer inneren Zerreißprobe werden.

Meist sind es die Hochsensiblen selber, die – nach langer Suche – herausfinden, was in ihnen vorgeht und »wer« sie eigentlich sind. Es sind Schlüsselerlebnisse, wie z.B. das Treffen anderer Hochsensibler, die Geburt eines hochsensiblen Kindes, ein Artikel in einer Zeitschrift oder eine berufliche Neuorientierung, durch die sich Hochsensible plötzlich bewusst werden, warum sie sich manchmal so »anders« fühlen, warum sie missverstanden werden oder warum sie an einer unerträglichen Reizüberflutung leiden, die sie nur schwer steuern können. Die meisten Hochsensiblen berichten von einer großen Erleichterung, sobald sie einen Begriff für das kennen, was sie ausmacht und sobald sie begreifen, dass ihre vielfältigen Wahrnehmungen und Empfindungen nicht auf Krankheit oder Einbildung beruhen. An diesem Zeitpunkt der Selbsterkenntnis können bereits dreißig, fünfzig oder mehr Lebensjahre vergangen sein.

Hast du die Vermutung selbst hochsensibel zu sein? Einen ersten Anhaltspunkt    liefert dieser Selbsttest von ZART BESAITET

Hochsensible Menschen in sozialen Berufen

Es verwundert nicht, dass Hochsensible bevorzugt Berufe wählen, bei denen sie glauben, dass sie ihre sozialen und emotionalen Stärken besonders gut einbringen können. Unter Lehrern, Sozialarbeitern, Erziehern, Ärzten, Therapeuten oder Beratern finden sich überproportional viele Menschen mit hochsensibler Persönlichkeit. Ist ihre Hochsensibilität mit anderen Intelligenzen vergesellschaftet (z.B. musischer, praktischer, sprachlicher oder logischer), können sie Pianisten, Tänzer, Schriftsteller, Schauspieler oder Manager sein. In früheren Kulturen fanden sich Menschen mit hochsensiblen Eigenschaften gehäuft in Positionen von Heilern, Ratgebern, Priestern oder Sehern wieder.

Schätzungen zufolge weisen ca. 10 – 20 % aller Menschen hochsensible Persönlichkeitsmerkmale auf. Angesichts dieser recht hohen Zahl und den beruflichen Neigungen von HSP ist davon auszugehen, dass auch in sozialen Organisationen und Berufen eine bedeutende Zahl an hochsensiblen Menschen arbeitet. Da Hochsensibilität bislang wenig erforscht ist, sie erst seit jüngster Zeit diskutiert wird und sie daher noch keine umfassende gesellschaftliche Akzeptanz besitzt, ist zu vermuten, dass viele der hochsensiblen Pädagogen, Sozialarbeiter, Erzieher, Berater oder Therapeuten ihr hochsensibles Potential nicht oder nur unzureichend in ihr Berufsleben integrieren können – auch deshalb, weil sie sich selber noch gar nicht als hochsensibel erkannt haben.

Stärken und Herausforderungen von Hochsensibilität

Hochsensible Menschen können das Berufs- und Privatleben mit ihren Stärken bereichern. Zum Beispiel, weil sie…:

  • besonders empathisch und respektvoll im Umgang mit Menschen sind und ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
  • Dinge wahrnehmen, bevor sie »passieren«, und so sich selbst und andere rechtzeitig warnen können.
  • eine gute Menschenkenntnis besitzen und schnell merken, wie andere »ticken«.
  • besonders gut antizipieren können und somit realistische Visionen schaffen.
  • tiefe und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen können, die langfristig Bestand haben.
  • dem Team eine wertvoll Stütze sind und darauf achten, dass es den Kollegen körperlich und seelisch gut geht.
  • eine sehr hohe Engagementbereitschaft, Gewissenhaftigkeit und Begeisterungsfähigkeit aufweisen.
  • intuitiv vorgehen und ein gutes Gespür für unerkannte Lösungen und Wege haben.
  • ganzheitlich und systemisch denken und so in der Lage sind, Brücken zwischen vormals unverbundenen Teilen zu bauen.
  • ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis haben und Details nicht vergessen.
  • diplomatisch vorgehen und versuchen, ihre Entscheidungen fair zu gestalten.
  • darauf bedacht sind, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.

Hochsensible sind anfälliger für Reizüberflutung und Stress

Wo es Hochsensiblen ermöglicht wird, sich einzubringen und wo sie es gelernt haben, mit ihren Stärken umzugehen, können sie mit ihrer Feinfühligkeit einen wichtigen Beitrag für sich und die Gemeinschaft leisten. Hochsensibel zu sein bedeutet jedoch nicht automatisch, ein guter und unkomplizierter Mensch zu sein.

Leider hat auch die Hochsensibilität ihre »Herausforderungen« – gerade im Berufsleben – die (für beide Seiten) nicht immer leicht zu bewältigen sind. Zu diesen Herausforderungen gehören zum Beispiel:

Hochsensible Menschen erleben die Welt in all ihren Extremen. Haben sie nicht gelernt, sich zu distanzieren, neigen sie dazu, sich für alles und jeden verantwortlich zu fühlen. Es fällt ihnen schwerer, Abstand zu wahren und »Nein« zu sagen.

Viele hochsensible Menschen lassen sich gerne von anderen vereinnahmen. Sie merken schnell, wie andere »ticken« und versuchen, sich dieser Norm anzupassen, um es der Gruppe recht zu machen. Darüber vergessen sie ihre eigenen Bedürfnisse.

Hochsensible Menschen bevorzugen Führungspersonen, die aufgrund ihres Verhaltens und Handelns zu Autoritäten werden. Da Hochsensible kleinste Unstimmigkeiten im Verhalten anderer wahrnehmen, tun sie sich schwer mit Führungspersonen, die sie allein aufgrund einer Position oder Herkunft als Autoritäten akzeptieren sollen.

Viele Hochsensible haben ein ausgeprägtes ganzheitliches und systemisches Denken und sind sehr phantasievoll. Es fällt ihnen schwer, Routinen abzuarbeiten oder monotone Arbeitsabläufe auszuführen.

Viele Hochsensible kommen mit willkürlichen Entscheidungen oder starren organisationalen Strukturen nicht zurecht, selbst wenn diese minimal sind. Wo andere Menschen organisationale Strukturen oder Ungerechtigkeiten ignorieren und sich »irgendwie damit abfinden« können, laufen Hochsensible Gefahr, an ihnen zu zerbrechen. Viele Hochsensible bevorzugen als Berufsform die Selbstständigkeit.

Hochsensible Menschen neigen dazu, die Dinge sehr genau zu nehmen oder Worte auf die »Goldwaage« zu legen. Auch wenn sie (aus ihrer Sicht) bloß das Nötigste tun, wirken sie auf andere Menschen mitunter penibel, überkorrekt oder perfektionistisch.

Viele hochsensible Menschen mögen es, wenn Dinge gut geplant und organisiert sind. Sie legen großen Wert darauf, dass Menschen konsequent und verlässlich sind und sich an getroffene Vereinbarungen und Versprechen halten.

Hochsensible Menschen neigen dazu, finanziellen und materiellen Gütern weniger Wert beizumessen. Stattdessen bevorzugen sie Berufswege, in denen sie sich verwirklichen können und bei denen sie das Gefühl haben, etwas sinn- und wertvolles zu tun. Dadurch laufen sie schneller Gefahr, in finanzielle Existenznöte oder berufliche Sinnkrisen zu stürzen.

Hochsensible Menschen – insbesondere die »Unerkannten« – haben Schwierigkeiten zu erkennen, wenn sich ihre eigenen Wahrnehmungen von denen der anderen Menschen unterscheiden. Sie neigen z.B. dazu, verborgene Dinge anzusprechen, als wären sie allgemein bekannt oder sie knüpfen an Gespräche, die etliche Wochen zurückliegen, ohne den anderen in Kenntnis zu setzen, worauf sie sich beziehen. Dass dies zu Missverständnissen führen kann, liegt auf der Hand.

Hochsensible Menschen neigen dazu ruhig, reserviert und introvertiert zu wirken, auch wenn sie eigentlich das genaue Gegenteil davon sind. Viele HSP haben gelernt, dass sie Missverständnissen nur dann vorbeugen können, wenn sie zurückhaltend sind und ihre wahre Persönlichkeit verstecken (soziale Introversion). Sie blühen erst auf, wenn sie sich in vertrauter Gesellschaft befinden.

Hochsensible Menschen können zu unerwarteten Gefühlsausbrüchen und Körperreaktionen neigen. Sie fangen an zu weinen, wenn sie nervös sind, oder geraten in Atemnot, wenn sie unter Zeitdruck stehen. Schon auf kleine Auslöser (z.B. eine Beleidigung, scharfgewürzte Speisen, Etiketten in Kleidungsstücken) können sie mit körperlichen Schmerzen reagieren.

Hochsensible Menschen reagieren hochempfindlich auf Lärm, Hektik, Licht oder fehlende Schlaf-, Entspannungs- und Bewegungszeiten. Sie müssen besonders darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren, ihrem Körper ausreichend Vitalstoffe zuzuführen und regelmäßige Erholungsphasen einzuhalten. Es lässt sich medizinisch nachweisen, dass HSP schon geringe Unstimmigkeiten in ihren Blutwerten wahrnehmen und auf diese mit Krankheitssymptomen reagieren. Viele HSP reagieren überempfindlich auf Koffein, Alkohol und Medikamente.

Hochsensible Menschen sind besonders gefährdet für neuronale und stressbedingte Krankheiten. Sie erkranken vergleichsweise häufiger an Migräne, Restless Leg oder Cortisolmangel (Nebennierenschwäche, Adrenal Fatigue) und dem daraus resultierenden Burn Out-Syndrom. Gerade hochsensible Frauen sind besonders anfällig für Disharmonien in ihrer vitalstoffbedingten und hormonellen Balance (z.B. Progesteronmangel, Vitamin B-Mangel, PMS).

Hochsensibel – Alles anders?

Natürlich sind Dinge wie z.B. weniger Stress, regelmäßige Erholung, Fairness oder gute Kommunikation, auch für »normal«sensible Menschen unbedingt erstrebenswert. Und sicher findet sich auch der ein oder andere Nicht-Hochsensible in den o. g. Stärken und Herausforderungen wieder. Hochsensible sind keine Lebewesen von einem anderen Stern und sie brauchen auch bestimmt keine artgerechte Haltung. Es sollte berücksichtigt werden (sowohl von Hochsensiblen selbst, als auch von ihren Mitmenschen), dass es hochsensiblen Menschen deutlich schwerer fällt und mehr Anstrengung abringt, sich gegen die Vielzahl an äußeren Reizen und inneren Eindrücken zu wappnen. Selbst bei normaler Arbeitsatmosphäre und alltäglicher Kommunikation können Hochsensible bereits so viele Reize verarbeiten und Details aufnehmen, dass sie an ihre Grenzen stoßen.

Treffen Hochsensible auf Akzeptanz und haben sie es gleichzeitig gelernt, mit ihren Ressourcen zu haushalten (sehr wichtig!), können sie mit ihren Fähigkeiten eine immens wichtige Stütze für einzelne Personen und für die Gesellschaft sein. Ist dies gewährleistet, bestehen in der Regel keine nennenswerten Unterschiede zwischen einem hochsensiblen und einem weniger sensiblen Zusammenleben.

Das Erkennen der eigenen hochsensiblen Persönlichkeit und das Erlebnis, schon als Kind akzeptiert zu werden, sind wichtige Bausteine, für ein späteres zufriedenes Leben. In Teil 2 widmet sich Frau Russau deshalb der Entwicklung und Erziehung hochsensibler Kinder und was es für Eltern bedeutet, mit einem hochsensiblen Kind zusammenleben.

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Du erkennst dich (oder eine andere Person) als hochsensibel wieder und möchtest mehr über Hochsensibilität wissen? Dann schau dich auch hier um:
Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V.
The Highly Sensitive Person – Website von Elain Aron
Zart besaitet – Verein zur Förderung hochsensibler Menschen

Weiterführende Literatur:

Dr. Elaine N. Aron (2005): Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen mvg Verlag
Brackmann, Andrea (2005): Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?
Trappmann-Korr, Birgit (2012): Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal: Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung.

Anregungen und Beiträge

Hochsensibilitaet (Teil 2) hochsensible Kinder

Hochsensibilität (Teil 2) hochsensible Kinder Beitrag von Julia Russau

Dies ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe über Hochsensibilität. In diesem Beitrag zeigt Julia Russau, wie Eltern erkennen können, ob ihr Kind hochsensibel ist und was es bedeutet, mit einem hochsensiblen Kind zusammenzuleben.

In Teil 1 beschäftigt sie sich mit allgemeinen Aspekten von Hochsensibilität und den Besonderheiten von erwachsenen Hochsensiblen im Berufsleben. In Teil 3 gibt Frau Russau Tipps, die hochsensiblen Menschen (und ihren Angehörigen) nützlich sein können.

Ist mein Kind hochsensibel?

Hochsensible Kinder fallen meist schon im Kleinkindalter auf, z.B. weil sie im Gegensatz zu ihren Altersgenossen deutlich empfindsamer/vorsichtiger, mitunter auch ängstlicher/in-sich-gekehrter, aber auch phantasievoller/begeisterter wirken. Einige hochsensible Kinder benehmen sich wie die »Prinzessin auf der Erbse«. Gerade jüngere Kinder und Teenager neigen dazu »zwei Gesichter« zu haben – in einem Moment wirken sie ruhig und gelassen, im nächsten Moment schreien, toben und heulen sie vor Zorn und Wut.

Wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind hochsensibel ist, hat das meistens zwei Ursachen: entweder die Eltern (oder ein Elternteil) sind selber hochsensibel und denken, dass ihr Kind dieselbe Besonderheit aufweist. Oder – was häufiger vorkommt– das Kind weist Verhaltensweisen auf, bei denen sich Eltern, Erzieher oder Angehörige fragen, was mit dem Kind los ist und was ihm fehlen könnte. Obwohl hochsensible Kinder durch eine Vielzahl an positiven Eigenschaften auffallen können, sind es überwiegend die problematischen oder ungewöhnlichen Verhaltensweisen, die Eltern zum ersten Mal aufhorchen lassen.

Hochsensibilität lässt sich so erklären: Hochsensible Kinder weisen ein empfindlicheres Nervensystem auf als nicht-hochsensible Kinder. Die Filtersysteme, die einen Menschen normalerweise vor Reizüberflutung schützen, sind bei Hochsensiblen weniger gut ausgeprägt, sodass mehr Informationen ins Bewusstsein gelangen und bearbeitet werden. Gleichzeitig sind hochsensible Kinder in emotionaler und sensorischer Hinsicht stärker erregbar, wodurch sie ein reichhaltigeres, tiefergehendes und bisweilen extremeres Gefühlserleben haben. Hochsensible Kinder sind auf sozialem und emotionalem Gebiet überdurchschnittlich begabt. Interessant ist: Das Nervensystem hochsensibler Menschen stimmt in einigen Punkten mit dem Nervensystem von Menschen mit ADHS oder Autismus überein, auch wenn sich das Verhalten und die Fähigkeiten der betroffenen Kinder sehr voneinander unterscheiden.

Während Menschen mit Autismus z.B. Schwierigkeiten haben, das Verhalten des Gegenübers zu deuten, fällt es Hochsensiblen leicht, andere Menschen einzuschätzen – auch wenn beide mitunter zurückhaltend und introvertiert wirken. Während ADHS-ler Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, können Hochsensible gut in einen Flow geraten und allein für sich sein – auch wenn beide mitunter nicht still sitzen können und leicht überdrehen.

Anhaltspunkte, ob ein Kind hochsensibel ist, oder ob eine andere Ursache hinter dem Verhalten des Kindes steckt, lassen sich am besten ausmachen, wenn man das Kind in seiner alltäglichen Lebenspraxis beobachtet.

Hochsensible Kinder können schon als Babys durch ihr Verhalten auffallen:

  • sie brauchen viel Körperkontakt; wollen getragen werden; können lange nicht alleine schlafen
  • sie schreien viel und ausdauernd; können nicht einfach mal so »weggelegt werden«
  • sie fangen früh an zu interagieren und scheinen die Welt permanent zu beobachten
  • sie können schon früh die Gefühlslagen von Erwachsenen unterscheiden; reagieren entsprechend vielschichtig
  • sie wirken unzufrieden oder bedrückt; gleichzeitig lachen sie viel und herzlich
  • sie fühlen sich am wohlsten in vertrauter Umgebung; sind nicht gerne bei Fremden auf dem Arm
  • sie haben eine frühe und lang anhaltende Fremdelphase

Merkmale von Hochsensibilität bei Kindern sind z.B.:

  • sie reagieren mit lautstarkem Protest auf alltägliche Dinge wie z.B. Haarekämmen, Nägelschneiden oder Duschen, da ihnen diese Dinge Schmerzen bereiten
  • sie sind mäkelig beim Essen; scheuen sich, etwas Neues zu kosten
  • sie bewegen sich vorsichtig, evtl. schleichend oder auf Zehenspitzen
  • sie sprechen früh von »Ich« und »Du«
  • sie sind keine Gruppenmenschen; knüpfen aber tiefe Freundschaften zu einem oder zwei anderen Kindern
  • sie brauchen viel Zeit um in neuen Umgebungen »warm« zu werden oder sich an fremde Menschen zu gewöhnen
  • es geht ihnen nahe, wenn andere Kinder ausgeschimpft werden oder sich weh tun
  • sie beobachten, wie Gleichaltrige ein Spielgerät benutzen, bevor sie es selber austesten
  • sie scheuen körperliche Auseinandersetzungen; sie raufen und kämpfen nicht gerne
  • sie haben Angst vor Höhe oder Geschwindigkeit
  • sie wollen schon früh alles alleine machen; sind extrem frustriert, wenn es nicht klappt
  • sie versuchen alles perfekt zu machen; sie akzeptieren bei sich selbst keine Fehler
  • sie interessieren sich für »die Welt«, sind hellhörig für gesellschaftliche, philosophische oder spirituelle Fragestellungen
  • sie versuchen, alles harmonisch zu gestalten; achten darauf, dass es gerecht zugeht und legen Wert darauf, dass Versprechen und Regeln eingehalten werden
  • sie mögen keine Unordnung, auch wenn sie selber Chaos produzieren
  • sie haben eine ausgeprägte Sammelleidenschaft; können nichts wegwerfen
  • sie planen Tage oder Wochen im Voraus und wollen auf »Nummer sicher gehen«; sie mögen keine Überraschungen
  • sie haben extreme Gefühlsausbrüche und Trotzphasen; vermeintliche Kleinigkeiten fühlen sich an wie große Katastrophen
  • sie haben intensive Träume, auch Alpträume; sie sprechen, schwitzen oder wälzen sich im Schlaf
  • sie sind zappelig, unkonzentriert und lassen sich leicht ablenken (z.B. beim Anziehen, Essen); finden sie etwas interessant, tauchen sie ein und geraten leicht in einen Flow
  • sie haben ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis; erinnern sich an Jahre zurückliegende Ereignisse und Details in Gesprächen;
  • sie reden oder singen ohne Pause; müssen sich permanent mitteilen
  • sie haben eine blühende Phantasie; sind äußerst sprachgewandt
  • sie erschrecken leicht; können laute Geräusche, Licht und Stimmengewirr nicht ertragen
  • sie klagen schon als Kind über regelmäßige Kopf- oder Ohrenschmerzen
  • sie haben unruhige, kribbelige Beine und Hände; müssen immer alles anfassen
  • sie fühlen sich unwohl in reizüberfluteten Umgebungen (z.B. beim Einkaufen, im Vergnügungspark, auf Festen); wirken dort abwesend und verloren

Natürlich müssen hochsensible Kinder nicht jedes der o. g. Verhaltensmerkmale aufweisen. Nicht alle hochsensiblen Kinder sind z.B. scheu, wenn sie auf andere Menschen treffen. Genauso können auch hochsensible Kinder viele Freunde haben und in der Kindergruppe beliebte Spielpartner sein.

Berücksichtigt werden sollte: Die Art und Weise wie die Kinder mit ihrer Hochsensibilität umgehen und wie sich ihre Sensibilität auf ihr Verhalten auswirkt, kann durch äußere Faktoren (z.B. die heimische Umgebung, das Verhältnis zu den Eltern, die Erziehungsmethoden oder besondere kindliche Erfahrungen) immens beeinflusst werden. Dies gilt im negativen, wie im positiven Sinne.

Auch wenn ein Kind viele Merkmale von Hochsensibilität aufweist, sollten andere Erklärungsansätze immer mit berücksichtig werden. Klagt ein Kind z.B. über Kopf- oder Ohrenschmerzen, sollte eine körperliche Erkrankung (z.B. Entzündung) medizinisch abgeklärt werden. Hat ein Kind häufig Alpträume oder schläft es unruhig, sollte überlegt werde, ob es vielleicht Erfahrungen gemacht hat, vor denen es sich fürchtet. Traut sich ein Kind nicht, auf andere zuzugehen, kann es sein, dass das Kind einfach ein wenig ängstlicher ist, als andere Kinder. Hat ein Kind heftige Wutausbrüche, ist frech oder reagiert mit Trotz, möchte es vielleicht mehr Aufmerksamkeit bekommen. Damit sich ein Kind optimal entwickeln kann, ist in jedem Fall eine genaue Beobachtung und Diagnose das A und O.

Hochsensible Kinder – ein Wechsel zwischen Extremen

Eben noch war die Welt in Ordnung, im nächsten Moment liegt sie in Scherben. Da hochsensible Kinder mehr Reize aus ihrer Umwelt wahrnehmen und diese gleichzeitig stärker emotional verarbeiten, reichen manchmal schon (vermeintlich) kleine Auslöser, um ihre Welt ins Wanken zu bringen. Dasselbe gilt auch im positiven Fall: Hochsensible Kinder können extrem ausgelassen, humorvoll und nicht zu bremsen sein, sobald sie etwas entdecken, das ihnen Spaß macht oder das ihre Neugierde weckt. Egal, ob ein Kind gerade bitterlich weint oder mit seiner Phantasie die Welt erobern will – für Eltern ist es nicht immer leicht, den verschiedenen Bedürfnissen ihrer Kinder nachzukommen und in »Extremsituationen« angemessen zu reagieren. Auch wenn hochsensible Kinder einerseits vernünftig und gewissenhaft wirken, können sie andererseits äußerst fordernd und »schwer zu bändigen« sein.

Trotz dieser Gefühlsvielfalt merken Außenstehende oftmals nichts von der Hochsensibilität der Kinder. Hochsensible Kinder lernen schon früh, in fremden Umgebungen ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Außerhalb der vertrauten familiären Umgebung neigen sie dazu, überangepasst und extrem introvertiert zu wirken, auch wenn sie eigentlich das Gegenteil davon sind.

Ruhe bewahren und einfühlsam sein

Das erste und beste Mittel, um auf das Verhalten hochsensibler Kinder zu reagieren, ist: selber einfühlsam sein. Hochsensible Kinder merken schnell »wie der Hase läuft«, ob ihre Gefühle und Beobachtungen ernst genommen werden, ob jemand ehrlich zu ihnen ist oder welche Erwartungen an sie gestellt werden. Umgekehrt nehmen sie sich ihre Eindrücke auch außerordentlich zu Herzen und sind gut darin, ihre ganz eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Auch wenn es nicht immer leicht ist: Eltern von hochsensiblen Kindern müssen ganz besonders darauf achten, die Bedürfnisse und Empfindungen ihres Kindes zu berücksichtigen und lernen, angemessen auf diese zu reagieren.

Diese fünf Tipps helfen dabei:

  • Einfühlsam sein durch gedankliche »Übertreibung«: Schreit ihr Kind beim Haarekämmen, weil es das Gefühl hat, sie rupfen ihm die Haare aus? Versuchen sie, sich die Situation in Gedanken übertrieben auszumalen. Wie würde es sich anfühlen, wenn einem tatsächlich die Haare ausgerissen werden? Vielleicht wirkt eine neue, weichere Bürste Wunder.
  • Ruhe bewahren und achtsam sein: Verhält sich ihr Kind extrem zurückhaltend, tobt es vor Trauer oder kann es seine Begeisterung nicht zügeln? Versuchen sie nicht, ihr Kind vom Gegenteil zu überzeugen (sehr wahrscheinlich werden sie scheitern). Verurteilen oder drängen sie das Kind nicht, sondern bewahren sie Ruhe und – wichtig – lassen sie das Kind nicht alleine.
  • Braucht es noch etwas Zeit, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen? Warten sie ab und geben sie ihrem Kind diese Zeit. Braucht es Platz, um eine Spielidee zu verwirklichen? Versuchen sie, Angebote in den Alltag einzubinden, durch die sich ihr Kind austoben kann (z.B. viel Bewegung, abwechslungsreiche Spaziergänge, verschiedene Bau- und Bastelmaterialen). Hat ihr Kind einen rasenden Wutanfall? Versuchen sie ruhig zu bleiben und schimpfen sie nicht auf das Kind ein. Wichtig: Sprechen sie in einem ruhigen Tonfall und bleiben sie in der Nähe, um sicher zu gehen, dass ihr Kind keine Grenze überschreitet (z.B. andere hauen, sich selbst verletzen). Ist ihr Kind hoch emotionalisiert und versuchen sie es zu trösten, wird es ihre Zuwendung wahrscheinlich ablehnen, da es diese Nähe im Moment nicht erträgt. Ist die erste Woge vorüber, wird es ihre Nähe und ihren Trost umso mehr brauchen. Zeigen und sagen sie ihrem Kind, dass sie es lieb haben, selbst wenn es von seinem Gefühlschaos überrollt wird.
  • Auf keinen Fall in Watte packen: Auch wenn ihr Kind sensibel ist, versuchen sie auf keinen Fall, es vor allem und jedem zu schützen. Geben sie ihrem Kind die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und eigene Wege zu finden, auch wenn nicht immer alles perfekt läuft. Nur, wenn sich ihr Kind selber austesten darf, wird es lernen, sich in der Welt zurecht zu finden, seine Fähigkeiten und Grenzen auszuloten, und eine selbstsichere Persönlichkeit zu entwickeln. Achten sie darauf, dass ihr Kind nicht unter seiner Sensibilität leiden muss – ohne es daran zu hindern, sich zu entfalten und wie ein normales Kind zu leben. Helfen sie ihm, indem sie Lärmquellen abstellen, für eine gesunde Ernährung und ausreichend frische Luft sorgen. Aber denken sie daran: Auch hochsensible Kinder dürfen hinfallen und sich das Knie aufschlagen.
  • Auf keinen Fall abhärten wollen: Versuchen sie nicht, ihr Kind zu stärken, indem sie es absichtlich Situationen aussetzen, die ihm unbehaglich sind (sie werden das Gegenteil erreichen). Fürchtet sich ihr Kind vor dem großen Schwimmbecken? Spritzen sie es auf keinen Fall nass und vergleichen sie es auch nicht mit anderen Kindern, die weniger ängstlich sind. Versuchen sie herauszufinden, was dem Kind unbehaglich ist und wie sie ihm helfen können, die Situation zu meistern. Gerade hochsensible Kinder neigen dazu, eine unbekannte Situation erst aus sicherem Abstand zu betrachten, bevor sie sich (Schritt für Schritt) entschließen, selber aktiv zu werden.

In Teil 1 beschäftigt sich Frau Russau mit allgemeinen Aspekten von Hochsensibilität und den Besonderheiten von erwachsenen Hochsensiblen im Berufsleben. Im Teil 2 der Reihe gibt J. Russau Tipps, die hochsensiblen Kindern und Erwachsenen (sowie ihren Angehörigen) in Alltag und Berufsleben nützlich sein können. In Teil 3 gibt Frau Russau Tipps, die hochsensiblen Menschen (und ihren Angehörigen) nützlich sein können.

Anregungen und Beiträge

  • Artikel: Hochbegabung Anders sein und Hochsensibilität (Beitrag hier klicken)
  • Seite: Bin ich hochsensibel? Test Hochsensibilität (Beitrag hier klicken)
  • Literatur Dr. Elaine N. Aron (2008): Das hochsensible Kind: Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen. mvg verlag

Hochsensibilitaet (Teil 3) 8 Tipps für Hochsensible

Hochsensibilität (Teil 3) 8 Tipps für Hochsensible Beitrag von Julia Russau, Februar 26, 2014

Hochsensibilität – Gabe oder Fluch?

Für viele Hochsensible sind ihre überdurchschnittlich guten emotionalen, sensorischen und sozialen Fähigkeiten zugleich eine Gabe und ein Fluch. Wie so oft im Leben, ist es leider meist der Fluch, der einen daran erinnert, dass es Zeit ist, Veränderungen vorzunehmen oder notwendige Bremsen zu ziehen.

Viele Hochsensible denken, sie müssten ihre Hochsensibilität an das Leben anpassen (z.B. indem sie lernen, ihre Emotionen zu unterdrücken oder Wahrnehmungen zu verschweigen). Es sollte jedoch andersherum sein: Hochsensible müssen lernen, ihr Leben – so gut es geht – an ihre Hochsensibilität anzupassen. Auch wenn dies zunächst bedeuten kann, unliebsame oder ungewohnte Veränderungen vorzunehmen. Nur so werden sie langfristig in der Lage sein, ihre besonderen sensiblen Persönlichkeitsmerkmale zu entfalten und diese sinnstiftend in ihr Leben einzubinden.

Acht Tipps für Hochsensible

Tipp 1: Schaffen sie sich Rückzugsmöglichkeiten, in denen sie ihren Hobbys nachgehen oder einfach nur ein gutes Buch lesen können! Viele Hochsensible brauchen ausreichend Zeit mit sich alleine, um ihre Akkus wieder aufzuladen. Gerade nach stressreichen oder aufregenden Situationen, ist es wichtig, zur Ruhe zu kommen und die vielen Reize des Alltags zu verarbeiten.

Haben sie Verpflichtungen, die sie vom Alleinsein abhalten? Vereinbaren sie feste Zeiten, in denen sie sich für eine Weile zurückziehen und ungestört sein können. Nutzen sie freie Termine oder die Mittagspause und machen sie z.B. einen Spaziergang an der frischen Luft. Wenn sie neue Energie tanken, wird sich das positiv auf sie selbst auswirken – und damit auch auf die Menschen in ihrem Umfeld.

Tipp 2: Versuchen sie nicht, die Gesellschaft zu ändern! Viele Hochsensible leiden darunter, dass Werte, die ihnen hoch und heilig sind, von anderen Menschen nicht in demselben Maß beachtet werden (z.B. Gerechtigkeitssinn, Vertrauen, Prinzipientreue). Sie verbrauchen Unmengen an Energie, wenn sie versuchen, andere Menschen oder das System zu ändern, und laufen Gefahr, an dieser Sisyphos-Aufgabe zu scheitern.

Akzeptieren sie, dass sie nicht alles und jeden »bekehren« können. Konzentrieren sie sich auf einige Dinge, bei denen sie eine realistische Chance haben, etwas Gutes zu bewirken. Und nutzen sie den anderen Teil ihrer Energie, um für sich selbst etwas Gutes zu tun.

Tipp 3: Leben sie an einem Ort, der möglichst ruhig und erholsam ist! Natürlich hat nicht jeder Hochsensible die Möglichkeit, auf dem schönen Land zu leben oder in einer verkehrsberuhigten Großstadtwohnung. Versuchen sie, die Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, optimal zu nutzen, um sich ein angenehmes Heim zu schaffen.

Suchen sie eine neue Wohnung? Gehen sie ruhig pragmatisch vor und erstellen sie eine Pro- und Kontra-Liste: Eine Leben auf dem ruhigen Land klingt verlockend – aber gehören sie zu den Hochsensiblen, denen Autofahren ein absoluter Graus ist? Dann wird ihnen das Landleben vielleicht weniger Freude bereiten.

Und auch wenn sie nicht gleich umziehen: Gestalten sie ihre Wohnung so, dass sie sich wohl und »angekommen« fühlen, sobald sie durch die Tür treten. Nutzen sie beruhigende Farben, Formen und Düfte oder richten sie ihren Wohnraum z.B. nach den Regeln des Feng Shui ein. Nutzen sie so oft es geht die Naherholungsgebiete in ihrer Wohnumgebung, um die alltäglichen Reize zu mildern: Parks, Schwimmhallen, Wälder… Die meisten Hochsensiblen lieben es, in der Natur zu sein. Sie schwören auf ausgedehnte Spaziergänge oder Gartenarbeit.

Tipp 4: Vermeiden sie eine Reizüberflutung durch (neue) Medien! Das heißt nicht, dass sie gänzlich auf Medien verzichten sollen. Gebrauchen sie Medien in Maßen, statt in Massen. Überlegen sie, in welchen Situationen sie auf Medien zurückgreifen – und überlegen sie dann, ob sie stattdessen auch etwas anderes tun könnten.

Lernen sie zum Beispiel, das Smartphone in der Tasche zu lassen, wenn sie im Bus oder in der Bahn sitzen. Lesen sie ein Buch, anstatt abends fernzusehen. Planen sie Zeiten oder Situationen ein, in denen sie bewusst auf Medien verzichten (selbst wenn andere diese Entscheidung vielleicht nicht verstehen und sie umstimmen wollen). Auch »Normal«sensible können unter einem Zuviel an Informationen und einer permanenten Erreichbarkeit leiden. Hochsensible müssen umso mehr darauf achten, Medien bewusst einzusetzen – und auch bewusst auszuschalten. Haben sie ein Kind, das hochsensibel ist? Bringen sie ihm schon früh einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien bei.

Tipp 5: Trennen sie sich von Dingen, Aufgaben und Personen, die ihnen unnötig Energie rauben! Verbringen sie ihre Zeit mit Menschen oder Situationen, in denen sie sich permanent unwohl fühlen? Und setzten sie sich diesen Situationen trotzdem immer wieder aus? Auch wenn es schwer fällt: Manchmal kommt man an einen Punkt, an dem es besser ist, loszulassen. Überlegen sie, wie ihr Leben ohne diese Energieräuber verlaufen würde und lernen sie »Nein« zu sagen. Sollten sie sich nicht trennen mögen oder können: Überlegen sie, ob sie die Zeiten, in denen ihnen unnötig Energie verloren geht, reduzieren können. Und eigenen sie sich Strategien an, durch die sie ihre Energiereserven und ihre Widerstandsfähigkeit stärken (z.B. Yoga, Sport).

Tipp 6: Trennen sie Ordnung von Chaos! Viele Hochsensible leben nach dem Motto: Ordnung ist das halbe Leben. Sie legen viel Wert darauf, dass die Dinge des Alltags geplant, durchdacht und vorhersehbar sind und sie meiden – wenn möglich – Überraschungen, Durcheinander und Chaos. Gleichzeitig brauchen Hochsensible immer wieder Raum, in dem sie sich – auch spontan – ausleben und austoben können.

Für viele Hochsensible hat es sich bewährt, diese zwei Seiten voneinander zu trennen, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Zum Beispiel auch räumlich: Schaffen sie sich einen speziellen Ort (oder eine Ecke in ihrer Wohnung), in der sie sich erlauben, kreativ und unordentlich zu sein.

Dasselbe gilt natürlich auch für die Menschen, mit denen sie zusammenleben: Haben sie einen Partner, der eher chaotisch ist? Einigen sie sich auf wichtige Dinge, bei denen sie beide eine gute Planung einhalten wollen. Und gestehen sie ihrem Partner im Gegenzug einen Ort (oder Hobbys) zu, in dem er nach Belieben spontan und unordentlich sein kann.

Tipp 7: Folgen sie ihrer Berufung – und haben sie Spaß dabei! Natürlich ist das leichter gesagt als getan – und: wer möchte das nicht? Gerade für hochsensible Menschen kann das Ausleben der eigenen Berufung aber oft der einzig richtige Weg sein, um sich vor übermäßigem Stress (und daraus resultierenden Krankheiten) zu schützen. Viele Hochsensible wählen ihren Beruf in der Hoffnung, etwas Sinnvolles und Gutes für die Gesellschaft zu tun. Merken sie, dass sich die erhofften Werte und Ziele mit diesem Beruf (oder in dieser Organisation) nicht verwirklichen lassen, geraten sie schnell in eine persönliche Krise, die mit tiefen Emotionen und Selbstzweifeln einhergeht.

Nicht selten sind berufliche Krisen jedoch auch »hausgemacht«: Hochsensible neigen dazu, der finanziellen Seite ihrer Arbeit weniger Wert beizumessen oder weniger nach persönlichem Ansehen zu streben. Dadurch laufen sie leichter Gefahr, sich unter Wert zu verkaufen, beruflich ausnutzen zu lassen oder sich an der Arbeit aufzureiben.

Stecken sie gerade in einer beruflichen Krise? Überlegen sie, welche beruflichen Alternativen sie haben und begreifen sie die Krise als Chance, etwas zu verändern und ihre »wahre« Berufung zu finden. Lernen sie ihre persönlichen Stärken kennen und scheuen sie sich nicht, diese darzustellen und einen angemessenen (finanziellen) Gegenwert einzufordern. Viele Hochsensible bevorzugen als Berufsform die Selbständigkeit.

Tipp 8: Achten sie auf ihren Körper! Viele Hochsensible neigen dazu, sich anderen anzupassen oder unterzuordnen (z.B. weil sie ein großes Harmoniebedürfnis haben oder weil ihnen gesagt wurde, dass ihre Wahrnehmung falsch sei). Darüber verlernen sie jedoch, die Signale ihres eigenen Körpers zu beachten und richtig zu deuten. Eine permanente Reizeinwirkung und –verarbeitung verlangt einem hochsensiblen Körper einiges ab, weshalb Hochsensible eine vergleichsweise höhere Anfälligkeit für stressbedingte oder neuronale Krankheiten aufweisen.

Auch wenn es viel Disziplin, Anstrengung und Durchhaltevermögen bedeutet: Lernen sie, ihren eigenen Körper zu schätzen und gesund zu halten. Eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegungs-, Schlaf- und Entspannungszeiten sind wichtig, um den Körper zu kräftigen und widerstandsfähiger zu machen. Bedenken sie: Nur sie selbst können wissen, wie es ihnen geht und was ihrem Körper gut tut. Achten sie bei ihren hochsensiblen Kindern schon früh auf eine ausgewogene Ernährung und bieten sie ausreichend Entspannungs-, Schlaf- und Bewegungsphasen. Und, zu guter letzt, ebenso wichtig: lachen sie viel

In Teil 1 beschäftigt sich Frau Russau mit allgemeinen Aspekten von Hochsensibilität und den Besonderheiten von erwachsenen Hochsensiblen im Berufsleben. Im Teil 2 der Reihe gibt J. Russau Tipps, die hochsensiblen Kindern und Erwachsenen (sowie ihren Angehörigen) in Alltag und Berufsleben nützlich sein können. In Teil 3 gibt Frau Russau Tipps, die hochsensiblen Menschen (und ihren Angehörigen) nützlich sein können.

Anregungen und Beiträge von hochsensibles.wordpress.com

Höher, schneller, weiter – immer weiter auseinander. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 1

Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Reihe: Höher, schneller, weiterimmer weiter auseinander. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 1.

Ein Beitrag von Michael Möller in der Flüchtlingskrise 2015

Im Sommer 2015 dürfen wir in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten – vorweg: stellvertretend für die westliche Welt – wieder deutlich erfahren, welch gravierende Unterschiede an Lebensstandards und Lebensstilen auf unserer Welt aufeinandertreffen. Das sind Schicksale, die viele Menschen in Deutschland und anderen Ländern tief berühren, vielen aber auch Angst machen. Dabei können diese Zahlen auch erst einmal Grund für Erstaunen und Sorge sein: 800.000 Flüchtlinge werden dieses Jahr (2015) in Deutschland erwartet. In meinem Bundesland Hessen 55.000, was fast der Einwohnerzahl meiner Heimatstadt entspricht. Natürlich sind Sorgen bei diesen Ausmaßen legitim. Alleine die Vorstellung, dass für so viele Menschen einfach gerechnet eine komplett neue Stadt errichtet werden müsste, lässt die Größenordnung der Herausforderung erahnen, in der wir uns schon längst befinden.

Gemessen am existenziellen Lebensstandard geht es uns gut, auch wenn in unserem Land Deutschland starke Gefälle zu sehen sind.

Die Flüchtlinge im Jahr 2015 sehnen sich nach menschlichen Grundbedürfnissen, nach Heimat, Nahrung, Arbeit und Frieden. Es ist schwierig, als Außenstehender individuelle Probleme zu bewerten. Jeder unter uns hat kleine oder größere Probleme, die uns Außenstehende nicht absprechen sollten. Jedes Problem wiegt so groß und ist so schwer, wie es subjektiv bewertet wird. Viele Einwohner in unserem Land sind im wahrsten Sinne selbst „am Boden“, weil sie Sommer wie Winter kein Obdach haben und möglicherweise ab und an die Chance erhalten, in einer Einrichtung für Obdachlose übernachten zu dürfen und eine warme Speise zu erhalten.

Diese Leben gibt es täglich tausendfach. Doch haben wir uns daran gewöhnt, weil sie seit Jahrzehnten – ja, seit Generationen – zu unserem Alltagsbild gehören. Nicht, dass nichts dagegen getan werden würde – die deutsche Sozialversorgung gehört sicherlich zu einer der qualitativ hochwertigsten. Jetzt aber, wo Flüchtlinge tausendfach nach Deutschland und Europa kommen, wird uns bewusst, dass es „da noch mehr gibt“.

Viele Menschen in Deutschland nehmen die Flüchtlinge gerne auf und engagieren sich, so gut sie das können. Sie sind dankbar. Dankbar für dass, was sie haben. Sie geben gerne einen Teil ab, so bescheiden dieser auch sein mag.

Viele Menschen in Deutschland skandieren gegen die Flüchtlinge, die Politik und “Gutmenschen”, “Verräter” oder welche Titel auch noch vergeben wurden. Sie haben Angst. Dahinter mag oft eine bestimmte Gesinnung stehen. Doch auch andere Bürger haben Angst, da sie mit etwas Unbekanntem konfrontiert sind.

Eine „gesellschaftliche Inflation“?

Was sich da im Großen und doch auch im Kleinen, gemessen an indivduellen Lebensweisen und -einstellungen, zeigt, ist selbst in unserer Kultur und unserer Art und Weise, Lebensverläufe zu gestalten, längst spürbar. Wenn auch auf anderem Niveau: Unsere Ressourcen und Potenziale wachsen expotentiell. Dabei spiegelt sich darin die aktuelle Thematik der Flüchtlinge wieder: Auch bei uns wird der Abstand zwischen der Anzahl der wohlhabenden Bevölkerung und derer, die bei uns als arm oder bedroht gelten, immer größer. Während die einen die Chancen des Wachstums nutzen können, da sie Zugang zu ihnen haben, wird es für andere immer schwieriger, diesen Anschluss zu finden und das dünner gewordenen Seil nicht gänzlich zu verlieren. Es ist eine Art Inflation in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu spüren: die Debatten um prekäre Arbeitsverhältnisse, die Entwertung von Bildungsabschlüssen, von Kultur und allgemein gültiger Werte sind Beispiele dafür.

Das olympische Motto deutsch: Schneller, höher, weiter ist das Motto der Olympischen Spiele. Die lateinische Bedeutung „Citius, altius, fortius“ (Quellenangabe) ist der Inbegriff der Formel „Erfolg durch Anstrengung – Mehr Erfolg durch mehr Anstrengung“. Es geht immer noch ein bisschen besser, größer und spektakulärer. Am 20. Juli 2021 wurde das Motto geändert: Es heißt jetzt „schneller, höher, stärker – gemeinsam“

In Zeiten von Burnout, PTBS, ADHS und so manch anderer Umschreibung für zu viel Stress sollten wir uns vor Augen führen: Das Motto ist mittlerweile fast einhundert Jahre alt.

Während für eine Seite ein „höher, schneller, weiter“ nur Vorteile bringen mag, so heißt dies für die andere Seite, dass es nur weiter auseinander gehen kann. In einem gesellschaftlichen Zusammenleben und einem Wirtschafts- und Staatensystem, welches auf Wachstum beruht, muss es auch Grenzen und Leitplanken geben. Diese Leitplanken gibt es. Doch reichen sie nicht mehr aus, um der Entwicklung der letzten Jahre gerecht werden zu können. Die Weiterentwicklung erfolgt schneller, als das das System mitgehen könnte. Es ist ein einfaches reagieren und kaum noch ein mögliches agieren.

Ansätze, Stimmen, Initiativen und Modelle gibt es genug, um diesen Veränderungen zu begegnen. Diese Komplexität will gemanagt werden. Doch wie? Kleine Lösungen in großem Rahmen sind notwendig, wollen wir nicht, dass nach dem Schmetterlingseffekt ein Ereignis am anderen Ende der Welt derartige Auswirkungen auf so viele Leben an anderer Stelle hat.

Die „Globalisierung“, die weitere Vernetzung unserer Welt wird auch immer weiter voran schreiten. Ein Vorteil! Sind wir doch eine Welt. So simpel und klar diese Tatsache doch ist, so schwer ist die Umsetzung. Systeme, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben, treffen aufeinander und sehen sich vor großen Herausforderungen. Der Mensch scheint nicht flexibel genug, um auf der Höhe dieser Veränderungen mitzugehen. Es bedarf eines Diskurses, der diese Entwicklungen schneller aufnehmen und verarbeiten kann. Es bedarf einer Grundhaltung, welche die Entwicklungen schneller aufnehmen kann und Basis für Diskussionen ist. Im Kleinen wie im Großen.

Ergänzung für das Jahr 2022

Fernab vom Rechtlichen: Die Menschen, die 2022 in der Ukraine so abrupt ihr Heimatland verlassen müssen, haben oft Schreckliches erlebt. Häufig sorgen sie sich um Familienmitglieder, die sie im Krieg zurücklassen mussten. Dem Umgang mit einer möglicherweise schwer traumatisierten Person sollte man sich gewachsen fühlen. Artikel Aufnahme von Geflüchteten Was müssen Helfer beachten?

Menschen, die Geflüchteten eine Unterbringung anbieten möchten, können sich etwa über unterkunft-ukraine.de oder airbnb.org anmelden – gerade, wenn sie erstmal nur über einen Zeitraum von zwei Wochen jemanden aufnehmen möchten. Beide Organisationen kooperieren mit dem Bundesinnenministerium.

  • Artikel: Höher, schneller, weiterimmer weiter auseinander. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 1. Link hier klicken
  • Artikel: Höher, schneller, weiter – weg von uns. Eine gesellschaftliche SpurensucheHöher, schneller, weiterwohin? Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 2. Link hier klicken
  • Artikel: Höher, schneller, weiterweg von uns. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 3 … Ein Beitrag von Michael Möller Der Weg ist das Ziel. Was ist das Ziel? Link hier klicken

Hochsensibles Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität

Um das Thema „Hochsensibilität“ in der Sozialen Arbeit voranzubringen, haben wir diese Seite ins Leben gerufen. Sie sollen hier Impulse, Blickwinkel und Hilfe finden, wenn Sie sich zu den hochsensiblen Personen zählen oder am Thema interessiert seid.

Anregungen

Höher, schneller, weiter – wohin? Eine gesellschaftliche Spurensuche – Teil 2

Dies ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe: Höher, schneller, weiter – weg von uns. Eine gesellschaftliche SpurensucheHöher, schneller, weiterwohin? Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 2.

Ein Beitrag von Michael Möller

„Warum?“ und „Wohin?“

Seit Jahrtausenden stellen sich viele Menschen die Frage nach dem „Warum?“ und „Wohin?“ Auf der Basis großer antiker Philosophen haben sich ganze Schulen gegründet, die uns über die Jahrhunderte hinweg Möglichkeiten gegeben haben, Antworten darauf zu suchen. Über Jahrhunderte hinweg hat sich der Mensch verhältnismäßig langsam entwickelt. Aus heutiger Sicht schien er bis vor kurzem relativ begrenzt, was seine Möglichkeiten angeht. Sein Lebensradius war zumeist auf die nächste oder auch übernächste Ortschaft beschränkt. Technische Entwicklungen haben lange angehalten und waren oft wenigen Nutzern vorbehalten.

In den letzten zweihundert Jahren

In den letzten zweihundert Jahren hat sich derart viel verändert, dass wir kaum mithalten können. In allen Lebensbereichen hat der Mensch Entwicklungen geschaffen, die vorher nicht für möglich gehalten wurden. Er hat durch technischen, medizinischen und sozialen Fortschritt wiederrum neue Dinge erschaffen, die sich unsere Vorfahren zwei oder drei Generationen zurück nicht vorstellen konnten. Heute stehen wir in unserer „westlich“ geprägten Gesellschaft einerseits vor einem Individualismus und Pluralismus, andererseits vor der Erkenntnis, dass es doch so nicht weitergehen kann. Dieses Wachstum, welches wir ab den 1950ern bis zur Jahrtausendwende erlebt haben, erfahren nun andere, vormalige Schwellenstaaten und „überholen“ uns in vielen Bereichen. Allen voran China, welches sich nach der Ost-West-Teilung drastisch verändert hat und dessen Bürger in einem engen Kreis von Tradition und Moderne stehen. Dieses Land ist so beispielhaft und lässt sich gar als Forschungsexperiment ansehen, was Fragen nach gesellschaftlicher und sozialer (Bevölkerungswachstum und Entwicklungsanschluss), politischer und wirtschaftlicher (Abschottung und Reglementierung vs. Öffnung und Wachstum) technischer und medizinischer Veränderung angeht. Während wir um einen Bevölkerungsrückgang ringen und die Geburtenrate nicht heben können, wird der Rest der Welt innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit gravierendem Bevölkerungswachstum zurecht kommen müssen.

Wohin soll der Weg gehen?

Artikel von 2015: Gemessen an den Bedürfnissen der Flüchtlinge sorgen wir uns um wahrlichen Luxus. Unsere Chancen steigen ins unermessliche. Hier und da liegt Hoffnung auf den heutigen Berufseinsteigern, denen zwar einerseits ein selbstbezogeneres Wesen zugeschrieben wird, andererseits gestalten sie neue Wege in Sachen Engagement und nachhaltiger Lebensweise. Es ist die erste Generation in Europa, die ohne direkte Kriegserlebnisse aufwächst oder einen Mangelzustand bewältigen müsste. Die Prägung ihrer Eltern und Großeltern legen sie langsam ab und sie schreiben sich die Suche nach Selbstverwirklichung, Individualismus und den Sonnenseiten der Welt und des Lebens zu. Soziologen beschäftigt die Frage, welche Bedürfnisse den deren Kinder haben werden?

In unserer aufgeklärten Welt (Wie aufgeklärt ist sie wirklich?) kümmern uns neue Konzepte um richtige Bildung und Erziehung, Wohlstand und Wachstum, Arbeit und Arbeitsformen, medizinischer und psychologischer Zuschreibungen. Ja, all diese Dinge bedingen sich einander. Doch scheinen sie teilweise in Extreme auszuufern, dass mahnende Worte nach Spaltung, dem Auseinanderdriften der Gesellschaft, zweier oder mehrerer sozialer Klassen aufhorchen lassen.

Wir drehen uns um uns selbst und verlieren den Kontakt zu uns, weil uns gemessen an anderen Dingen, die in dieser Welt stattfinden, verhältnismäßige Kleinigkeiten im Alltag Stress bereiten. Auch diese Dinge hängen zusammen, tragen wir doch Mitverantwortung für die Tatsachen, welche Landsleute vor uns geschaffen (subjektive Sicht möglich: verschuldet) haben.

Dieser bei uns sich entwickelnde Pluralismus betrifft nicht nur unsere eigenen Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten. Er betrifft auch ein immer stärker zusammenwachsen unserer Kulturen. War besonders im alten Westdeutschland und Westeuropa der Einfluss der US-Amerikaner sehr groß, so sehen wir uns aktuell und zukünftig immer weiteren Einflüssen gegenüber. Was uns über Jahrhunderte geprägt hat, scheint weniger Wert zu werden oder zu sein (angemahnter Werteverfall), unsere „kulturelle Identität“ ist in Gefahr, zugleich wird unser Zusammenleben geprägt von neuen Religionen und Gesellschaftsmodellen. Wir sind in Auseinandersetzung darüber, wie diese neuen Erfahrungen „integriert“ werden können. Parallel haften wir noch an der eigenen Aufarbeitung und Bewältigung der Vergangenheit.

Um eine philosophische Betrachtung zu setzen: Für Kant hat das Glück, das Streben nach Glück in der eigenen Moralität keinen Platz. Für seinen älteren Vorgänger Aristoteles war eine gelungene Lebensführung das Ziel, welche zu Glück führen kann.

Nach welchen Gesetzen wollen wir also leben? Diese Gesetze setzen wir uns selbst. Es ist möglich, Alt und Neu, Tradition und Moderne zu vereinbaren.

  • Artikel: Höher, schneller, weiterimmer weiter auseinander. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 1. Artikel hier klicken
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  • Artikel: Höher, schneller, weiterweg von uns. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 3 … Ein Beitrag von Michael Möller Der Weg ist das Ziel. Was ist das Ziel? Artikel hier klicken

Hochsensibles Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität

Um das Thema „Hochsensibilität“ in der Sozialen Arbeit voranzubringen, haben wir diese Seite ins Leben gerufen. Sie sollen hier Impulse, Blickwinkel und Hilfe finden, wenn Sie sich zu den hochsensiblen Personen zählen oder am Thema interessiert seid.

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Höher, schneller, weiter – weg von uns. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 3

Dies ist Teil drei einer dreiteiligen Reihe: Höher, schneller, weiterweg von uns. Eine gesellschaftliche Spurensuche, Teil 3 … Ein Beitrag von Michael Möller Der Weg ist das Ziel. Was ist das Ziel?

Ein Beitrag von Michael Möller

Der Weg ist das Ziel.

Was ist das Ziel? Wessen Ziel ist das? Und wer bestimmt das Ziel?

Das Ziel können nur wir selbst bestimmen. Wenn wir uns unseres eigenen Zieles bewusst sind, so können wir anderen helfen, ihr Ziel zu finden. Nicht von oben herab, autoritär oder diktatorisch, sondern auf Augenhöhe. Mit einer Vorbildfunktion.

Doch auch für uns ist die Zielsuche eine lebenslange Aufgabe. Und so wird unser Leben zum Weg, auf welchem wir beständig auf unser Ziel hinarbeiten dürfen. Bis wir erkennen, dass es „das“ Ziel gar nicht gibt. Das Leben ist kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Die Frage ist: Wie nehmen wir unseren Weg?

Wie nehmen wir unseren Weg?

Der Weg mag emsig sein und beschwerlich oder einfach und komfortabel. Letztlich ist er das, was wir aus ihm machen. Oder machen können. Es ist die Kunst, sein Leben zu gestalten. Der eigene Kompass auf (stürmischer) See zu sein.

Auf dem Weg des Lebens entwickeln wir uns weiter. Wir gewinnen Erfahrungen und hinterfragen Erfahrungen, wir ändern unsere Meinung und lernen dazu. Nicht opportunistisch, sondern verbunden mit unserer Wurzel. Die Wurzel, die unseren Stamm, unser Leben, hält.

Nun ist es so, dass wir eine Zeit erfahren, die viele Möglichkeiten bietet. Wichtig ist es dann, einen guten Kompass oder eine starke Wurzel zu haben. Verfügt eine Gemeinschaft über viele Menschen, die gefestigt sind, so wird auch diese Gemeinschaft eine starke Wurzel haben und einen guten Kompass. Eine starke Wurzel, welche die Gemeinschaft zusammenhält und einen Kompass, der die Richtung vorgibt. Mir scheint, genau dass fehlt uns.

Stattdessen könnte man von einer Entwurzelung sprechen. Pluralität – per se nichts verwerfliches. Vielfalt schafft neue Möglichkeiten, welche Gemeinschaften und Gesellschaften voranbringen. Sie kann aber zur Gefahr werden, wenn das gemeinsame Ziel fehlt.

Welches Ziel wollen wir als Gemeinschaft haben?

Welches Ziel wollen wir als Gemeinschaft haben? Als Familie, Nachbarn, Ortschaft, Stadt, Land, Staatengemeinschaft? Unsere Welt ist die offensichtlichste Quelle von Pluralität und zugleich Ursprung einer gemeinsamen Wurzel. Viele Völker und Kulturen, die im Laufe ihrer jahrhunderte und jahrtausendelangen Entwicklung verschiedene Möglichkeiten geschaffen haben, den Weg ihres Lebens zu gehen. Jetzt wächst unsere Welt immer weiter zusammen und die „Diskrepanzen“ unter diesen Wegen werden deutlich. Doch wollen die Urheber dieser unterschiedlichen Quellen nicht alle das gleiche Ziel erreichen?

Es ist Zeit für einen Wandel, der einen friedlichen Diskurs zwischen diesen Quellen ermöglicht.

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Hochsensibles Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität

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Hochsensibilität im Arbeitsleben Stärken von Hochsensiblen

Artikel Hochsensibilität im Arbeitsleben – Stärken von Hochsensiblen

Hast Du darüber nachgedacht und festgestellt, dass andere „kleine Details“ zu ignorieren scheinen? Hast Du Schwierigkeiten mit lauten Geräuschen, hellem Licht und überwältigenden Situationen? Verbringst Du viel Menge Zeit damit, Dir Gedanken darüber zu machen, wie andere Menschen fühlen?

Keine Sorge, es ist nichts falsch an Dir!

Nach der Forschung, die Elaine Aron in den vergangenen Jahrzehnten unternommen hat, sind 15-20% der Bevölkerung hochsensible Menschen: Diese Empfindlichkeit bezieht sich darauf, wie wir den sensorischen Input unserer Umwelt verarbeiten. Wir sind von den Dingen um uns herum leichter überfordert als andere Menschen, die unser Sinnesverarbeitungssystem reizen.

Hochsensibilitaet im Arbeitsleben

Die Sprüche im Arbeitsleben kommen Dir bestimmt bekannt vor:

„Setzen Sie sich doch mal mehr durch und nehmen sich nicht immer alles so zu Herzen!“ „Was ist denn mit Ihnen los?“, „Seien Sie doch nicht so empfindlich!“, „Stellen Sie sich doch nicht so an!“ „MüssenSie es denn immer so kompliziert machen?“…so oder so ähnlich klingt die Rückmeldung, die man als hochsensibler Mensch im Arbeitsleben regelmäßig bekommt. Da ist es kein Wunder, dass man sich früher oder später selbst in Frage stellt: Bin ich wirklich zu empfindlich?“ Warum kann ich mich nicht besser zusammenreißen?

Hochsensible empfinden ihre Hochsensibiltät oftmals als Belastung. Das Unverständnis Außenstehender ist leider manchmal groß: Hochsensibilität ist keine Krankheit, daher bedarf es auch keiner Diagnose und es wird auch nicht von „Symptomen der Hochsensibilität“ gesprochen.

Vielmehr wird Hochsensibilität als Temperament, Charaktereigenschaft oder Persönlichkeitsmerkmal beschrieben. Es kommt bei Männern und Frauen gleichermaßen vor. Forscher vermuten, dass Hochsensible aufgrund neurologischer Besonderheiten äußere Reize verstärkt aufnehmen und verarbeiten. Es wird angenommen, dass Hochsensibiltät vererbbar ist.

Hochsensible Menschen nehmen alle Eindrücke im Gehirn viel stärker wahr. Ihr Filter von äußeren Reizen funktioniert nicht so gut wie bei anderen Menschen. HSP können weniger ausblenden. Daher reagieren sie auf Reize sehr stark und werden dadurch stärker beeinträchtigt. Hochsensible werden häufig durch die zahlreichen Stimuli in Umwelt überfordert und überwältigt. Menschenmassen werden oftmals zum Albtraum, laute Konzerte überreizen die Sinnesorgane. Die Ohren bzw. sämtliche Sinne sind überlastet, der Gang durch die Parfümerie wird zum Spießrutenlauf. Auch Emotionen werden von HSP stärker durchlebt.

Anzeichen für Hochsensibilität

  • Du wirst als überempfindlich, schüchtern oder introvertiert bezeichnet
  • Du brauchst viel Zeit für dich allein, um wieder zu regenerieren
  • Du verbringst gerne Zeit alleine mit Dir
  • Du reagierst empfindlich auf laute und andauernde Geräusche
  • Menschen, die ununterbrochen reden, rauben Dir viel Energie
  • Du hast eine niedrige Toleranzschwelle für kratzige Kleidung
  • Dich stressen Gruppentreffen, Du triffst Dich lieber mit einzelnen Personen
  • Du bist harmoniebedürftig, weil du die emotionale Anspannung bei Konflikten schlecht erträgst
  • Helles Lichter und/oder starke Gerüche, laute Geräusche stressen Dich stark
  • Du fühlst Dich schnell emotional ausgelaugt
  • Du nimmst sofort die Stimmung anderer Menschen wahr, weil Du ein starkes Gespür für Körpersprache, Gestik, Mimik und Tonfall hast
  • Du bist sehr schreckhaft

Hochsensible Personen (HSP) haben viele Stärken:

  • HSP erfreuen sich an den kleinen Dingen im Leben und können diese in vollen Zügen genießen
  • HSP verfügen über einen emotionalen Reichtum, kleine Gesten und feine Details im Alltag schätzenSie besonders
  • HSP haben ein intuitives Gespür für Stimmungen von Menschen und bemerken, wenn etwas nicht stimmt. Dieses Persönlichkeitsmerkmal ist im Beruf Gold wert
  • HSP sind gute Beobachter*innen. Sie verfügen über Feingefühl, Empfindsamkeit und haben einen Sinn fürs Detail. Sie sind prädestiniert für kreative und innovative Berufsbilder
  • HSP sind gute Zuhörer, empathisch stark, taktvoll in der Kommunikation und nehmen häufig Rücksicht. Dies sind die sogenannte Soft Skills (Soziale Kompetenz, sozial-kommunikative Kompetenz oder Sozialkompetenz), mit denen HSP im Berufsleben punkten können! (In der Literatur werden soft skills oft eingedeutscht als „weiche“ Fähigkeiten und Fertigkeiten bezeichnet, die neben der sozialen Kompetenz im engeren Sinne auch Neigungen, Interessen und andere Persönlichkeitsmerkmale wie Belastbarkeit, Frustrationstoleranz u. ä. einschließen.)

Die gute Nachricht:

Hochsensible können lernen, mit ihren vermeidlichen Schwächen und Belastungen umzugehen. Die meisten HSP haben sich im Laufe ihres Lebens entsprechende Strategien angeeignet. Hochsensibilität ist also kein Krankheitsbild, das behandelt werden muss. Wichtig ist zu wissen, dass Du hochsensibel bist und wie Du damit umgehen kannst.

Hilfreich ist zumeist, wenn Du andere HSP kennenlernst und Dich mit Ihnen austauschen kannst. Als weitere Unterstützung können Artikel von anderen HSP eine Orientierung bieten.

Anregungen mit Blog Beiträgen von HSP, die ihre Hochsensibilät als Stärke leben können

  • Wettbewerbsvorteile für Unternehmen?: Die umworbenen „High Potentials“ (nach 1980 geborenen) sind einfach nicht bereit ihre Lebenszeit mit Nebensächlichkeiten wie dem Streben nach Geld, Status und Titeln zu verschwenden. Sie sind vor allem sinngetrieben und wollen ihre Energie am liebsten für Tätigkeiten einsetzen, die ethisch einwandfrei sind und die Welt ein Stückchen besser machen. Als „High Potentials“ gelten im allgemeinen solche Mitarbeiter, denen ein hohes Qualifikationspotenzial für betriebliche Anforderungen (engl.: requirements) zugesprochen wird. Artikel High Potenzials ein Gewinn?
  • Ein Dokumentarfilm über hochbegabte und hochsensible Menschen von Mona Suzann Pfeil: „HighSkills – verschenkt die Wirtschaft die Potenziale hochsensibler und hochbegabter Menschen?“ Dieser Frage widmet Mona Suzann Pfeil, Künstlerin und Beraterin, ihren Dokumentarfilm „High Skills“ (40 Min.), für den sie u. a. Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, Philosoph Dr. Richard David Precht und Rechengenie Dr. Gert Mittring interviewte. Mona Suzann Pfeil: „Die Zusammenarbeit mit Hochsensiblen und Hochbegabten bietet ungeahnte und viel zu wenig genutzte Chancen, voneinander und miteinander zu lernen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Die Voraussetzung dafür sind angepasste Lebensweisen, Schul- und Arbeitsformen. Artikel Potenziale hochsensible Hochbegabte Doku Highskills

Hochsensible Menschen sind im sozialen und emotionalen Bereich besonders begabt. Sie verfügen über eine besonders differenzierte Sinneswahrnehmung und eine ausgeprägte Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. So verwundert es nicht, dass hochsensible Menschen bevorzugt soziale und beratende Berufe wählen, bei denen sie ihre Stärken besonders gut einbringen können. Artikel Hochsensible Menschen in sozialen und beratenden Berufen

Hochsensibilität Selbstachtung ist der beste Schutz

selbstachtung.hochsensibel

Super Idee

Lasst eure Intelligenz nicht von Emotionen übertönen und verschwendet keine Zeit mit Menschen, die es nicht wert sind! Unwichtige Dinge im Leben sollten keine Macht darüber haben, wie eure Stimmung ist.

Frage

Aber Emotionen sind das, was uns menschlich macht… Nur nach Intelligenz zu handeln ist nicht möglich und nicht menschlich…Klar sind Emotionen oft negativ behaftet aber ohne Regen keinen Regenbogen…

Antwort


Damit war auch nicht gemeint, keine Emotionen mehr zu haben. Es geht darum, sich nicht negativ triggern zu lassen und sich mit Menschen zu befassen, die einen beleidigen oder schlecht behandeln. Eben intelligent genug zu sein, sowas zu erkennen und zu meiden. 🤪

Selbstachtung

Das Schlüsselwort heißt „Selbstachtung“. Die Selbstachtung beschreibt unser Gefühl für unsere eigene menschliche Würde. Es ist eine Mischung aus „Selbstwertgefühl“, „Selbstbewusstsein“ und wie das Wort bereits in sich trägt die Achtung vor sich selbst.

Wie kann mich Selbstachtung vor Respektlosigkeit schützen?

Das Prinzip dazu ist ganz einfach: Wenn wir eine gesunde Einstellung zu uns selbst haben und somit ein gesundes Selbstbewusstsein, dann wirkt das wie ein Schutzschild vor respektlosem Benehmen von außen. Denn mit einem gesunden Selbstwertgefühl setzen wir für uns klare Grenzen, die ein anderer Mensch nicht überschreiten darf. Wo diese Grenze liegt, das bestimmen wir selbst. So kannst Du Selbstwirksamkeit in Deinem Privatleben und Berufsleben erfahren. 

Wie kannst Du Grenzen setzen?

->  Hier sind noch mehr gute Hilfe Tipps für Hochsensible

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